letsPool AG

zurück zur Übersicht

17.09.2009 10:00:39

Unter die Lupe genommen:



Ralf Meertz
"Der beste Händler in München"


Seit 2003 betreibt Ralf Meertz (41) in der Münchner Prannerstraße 13, eine ruhige Nebenstraße hinter dem 5-Sterne-Luxushotel „Bayerischer Hof“, sein fein sortiertes Geschäft „WORLDOFTIME“. Kunden schätzen ihn für seinen exzellenten Service, Kollegen und Konkurrenten bezeichnen ihn (fast) neidlos als den „besten Händler in München“. 

Mit einer Anzeige in einem Fachmagazin hatte Uhrmacher Meertz aus dem Kreis Viersen (Nordrhein-Westfalen) nach seiner Meisterprüfung 1991 bundesweit seine Dienste angeboten. „Der Rücklauf war enorm“, erinnert er sich heute. „Wenn man nicht zwei linke Hände hatte, konnte man damals als Uhrmacher überall anfangen.“ Er entschied sich schließlich für die Arbeit bei Clemens von Halem (48), „weil es bei ihm um antike Uhren ging, die mich schon immer überaus gereizt haben.“ Fast zehn Jahre blieb Meertz bei von Halems „Antike Uhren Schley“, bis er sich schließlich sein eigenes Geschäft aufbaute. „Auch wenn er es selbst so nie über sich sagen würde: Meertz hat zurzeit das größte Potenzial als Spitzenhändler“, so von Halem heute. „Er ist sehr korrekt, fleißig, extrem professionell im Umgang mit Kunden und Zulieferern und, was für uns Händler untereinander ja immer wichtig ist, zahlt immer und pünktlich.“ Tatsächlich wehrt sich Ralf Meertz im Interview mit watchPool24 energisch gegen dieses Lob …

[caption id="attachment_329" align="alignright" width="200" caption="Gelernter Uhrmacher, erfolgreicher Händler: Ralf Meertz aus München"]Ralf Meertz[/caption]

watchPool24: Herr Meertz, sind Sie der beste Händler in München?
Meertz:
 Ganz sicher nicht. Gerade diese Stadt ist so dicht gefüllt mit guten Kollegen, die finanziell extrem stark aufgestellt sind und viel mehr Erfahrung haben als ich. ‚Watchandco‘, ‚Primetime‘, ‚Uhren Eder‘ im antiken Bereich, um nur einige zu nennen. Aber das spornt mich natürlich an.

Ihre Kunden sind anscheinend aber mehr als zufrieden mit Ihnen. Im Internet findet man kein einziges schlechtes Wort über Sie von enttäuschten Käufern …
Meertz:
Wir versuchen ja auch, jeden Kunden zufrieden zu stellen. Auch wenn es manchmal weh tut und man am Ende draufzahlt. Das Problem am Internet ist doch ganz klar die große Transparenz. Selbst wenn man mit einem Kunden wegen einer Nichtigkeit streitet, kann man sich ganz sicher sein, dass man diesen Streit später in irgendeinem Forum wiederfindet. Das muss man nachdrücklich vermeiden. 

Dazu gehört aber auch die Fähigkeit, nachgeben zu können …
Meertz:
Das stimmt. Man darf keinen Sturkopf haben, sonst geht‘s nicht. 

Stattdessen wird überall im Netz ihr erstklassiger Service gelobt, vor allem hinsichtlich der Pflege und Wartung gekaufter Uhren. Dafür beschäftigen sie permanent einen Uhrmacher bei sich. Lohnt sich das?
Meertz:
Die Wertstatt selber ist natürlich ein dauerhafter Kostenfaktor, der den meisten Händlern zu groß ist. Und er ist auch tatsächlich nicht unerheblich. Wenn ich meine Ware zu einem Uhrmacher bringe, der danach eine Rechnung stellt, ist es vom Preis her ganz klar definierbar, was mich die Reparatur dieser Uhr gekostet hat. Beschäftige ich dagegen einen Uhrmacher im Laden, gehen die Kosten fließend ineinander über. Letztendlich kenne ich auch keine angegliederte Werkstatt, die mit einem ordentlichen Gewinn am Jahresende rausgeht. Trotzdem sehe ich es als sinnvoll an, den Kunden diesen Service anzubieten. Das ist eine Mischkalkulation, die sich im gesamten Paket des Unternehmens als gewinnbringend erweist. Und anscheinend ja auch zufriedene Kunden bringt. 

Sie sind gelernter Uhrmacher. Reparieren Sie noch selbst?
Meertz:
Nur sehr selten, wenn im Laden mal Not am Mann ist oder ich in einem bestimmten Bereich mehr Erfahrung habe als mein Kollege. Aber die meiste Zeit bin ich Händler. 

Haben Sie schon mal einen Kunden mit einer kaputten Uhr nach Hause schicken müssen?
Meertz:
Das passiert immer wieder mal. Entweder weil man nicht die Zeit oder die Möglichkeiten hat, oder es sich um eine solch komplexe Sache handelt, die die eigene Kompetenz überschreitet. Beispielsweise habe ich mal die Reparatur eine Kieninger Standuhr mit Flötenwerk abgelehnt, weil man schon ein halber Musiker sein musste, um die wieder in Gang zu setzen. 

Ihr Laden ‚WORLDOFTIME‘ liegt zwar in der Münchner Innenstadt, allerdings etwas abseits in einer ruhigen Straße. Und trotzdem kommen viele Kunden zu Ihnen. Ist die Lage vielleicht gar nicht so entscheidend für den Erfolg?
Meertz:
Doch, das ist sie schon. Hier um die Ecke sitzt zum Beispiel ‚Watchandco‘, direkt beim Hotel ‚Bayerischer Hof‘. Da laufen auch zufällig Leute vorbei, die aus dem Hotel kommen und sich zu einem Spontankauf entscheiden. Das ist ganz klar ein Standortvorteil. Allerdings muss man solch eine gute Lage auch bewältigen können, also personell soweit aufstocken, dass man das Geschäft noch aufrechterhalten kann. 

Würden Sie gerne umziehen?
Meertz:
 Vielleicht irgendwann einmal, aber konkrete Pläne gibt es nicht. 

Spüren Sie die Wirtschaftskrise eigentlich in Ihrem Geschäft?
Meertz:
In Teilen schon. Das Preisniveau ist anders geworden, keine Frage. Der Umschlag bei bestimmten Modellen ist einfach nicht mehr da. Aber unterm Strich gibt es genauso viele Leute, die zurzeit Uhren verkaufen müssen oder aus irgendwelchen Gründen verkaufen wollen und auf der anderen Seite viele, die ihr Geld nicht in Aktien anlegen möchten, sondern sich lieber eine schöne Wertanlage kaufen, die sie sogar tragen können. 

Das klingt gar nicht so negativ, wie sich manche Händler oder Hersteller in den vergangenen Monaten geäußert haben …
Meertz:
Weil ich finde, dass sich der Uhrenmarkt gerade selbst sehr bestätigt hat. Ganz anders als andere Branchen . Auch wenn es viele Verluste gab und die Branche Federn lassen musste, hat sie sich in meinen Augen als sichere Anlageform bestätigt. 

Dann sollte man jetzt wieder Uhren kaufen – oder noch warten?
Meertz:
Wenn man das Geld hat, würde ich jetzt kaufen. Die Preise sind ziemlich runtergegangen, fallen aber zurzeit nicht mehr. Das bleibt hoffentlich auch so. 

Welche Uhren verkaufen sich denn bei Ihnen gerade gut?
Meertz:
Golduhren. Früher wollten immer alle Leute Uhren aus Stahl und sich mit ihrem Schmuckstück ganz zurückhaltend geben. Aber durch diese ganze Krise hat man wieder den Weg zur goldenen Uhr gefunden. Man schämt sich nicht mehr dafür, sich mit einem erkennbar dauerhaften Wert zu zeigen. 

Haben Sie eine Uhr hier in Ihrem Laden, die Sie nicht verkaufen würden?
Meertz:
Vielleicht meine Riefler. Die hängt schon so lange bei mir, von der will ich mich eigentlich nicht mehr trennen. Das ist eine astronomische Präzisionspendeluhr von Siegmund Riefler, Seriennummer 70. Die wurde hier in München gebaut und hing lange Zeit im Naval Observatorium in Washington D.C. So etwas wie der Vorläufer der Atomuhr. Sie hat damals die genaue Zeit für die Vereinigten Staaten angegeben und wurde erst in den 80ern bei einer Auktion versteigert. Theoretisch geht sie auch noch, obwohl ich sie hier natürlich nicht laufen lassen. Diese Uhr ist eine Diva, sie mag es leise und erschütterungsfrei. Lauter Eigenschaften, mit denen ich hier im Laden nicht dienen kann. Außerdem ist sie wahnsinnig laut. 

Sie sind schon seit der ersten Stunde Mitglied bei watchPool24. Kaufen Sie eher oder verkaufen Sie?
Meertz:
Ich stelle selbst kaum Ware ein, weil ich einfach nicht die Warenmenge habe, die dafür notwendig ist, dafür wähle ich meine Ware zu selektiv aus. Aber ich nutze es als Tool, um Ware zu kaufen. Dafür finde ich es sehr gut. Mein Geschäft ist es, Ware direkt an den Endkunden zu bringen. Die Mitglieder von watchPool24, die sowieso viel Business to Business machen, für die bin ich der passende Kunde. 

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Dieser Beitrag wurde mit Storys, Uhrenbranche, extern verschlagwortet.

 

letsPool AG

E-Mail des Empfängers:

 

Betreff:

 

*

*

 

Betreff: